12. März 2009
Mehr als „Kinderstöpsel“
Als vor 60 Jahren, im Jahr 1949, zwei deutsche Zahnärzte den Vorläufer
der modernen Schnuller als „kiefergerechten Beruhigungssauger und Kieferformer“ erfanden,
war dessen Aufgabe klar definiert: Er diente, wie seine historischen Vorgänger
zwar zur Beruhigung – aber erstmals hatte er außerdem eine mundgesundheitliche
Aufgabe, nämlich den Schutz der Kiefer- und Fehlbildungen.
Bis heute, so
die Initiative Kiefergesundheit, hat sich dieser moderne Schnuller ständig
weiterentwickelt. Während in den Anfangsjahren, die neu entwickelte Gummiblase,
an denen die Kinder seither ihre innere Unruhe „abarbeiteten“, recht
groß war, sind moderne Schnuller mit weitaus kleinerem „Innenleben“ ausgestattet.
Das folgt dem zahnmedizinischen Wissen, dass alles, was über längere
Zeit zwischen den Zähnen gehalten wird, so klein und passgenau wie möglich
sein sollte. Nur wenn der Schnuller die Lage der Kiefer und auch der Zunge nicht
verändert, kann sich alles ordnungsgemäß entwickeln und den Milchzähnen
den richtigen Standort bieten. Drückt ein übergroßer Schnuller über
längere Zeit den Oberkiefer nach vorn, entwickelt sich meist ein sog. „Lutschbiss“:
Die oberen Zähne stehen vor und berühren die Unterkieferzähne
nicht mehr – manchmal entsteht sogar ein regelrechtes Loch zwischen Ober-
und Unterkiefer, das wie ein festgewachsenes „Schnuller-Tor“ wirkt.
Noch schwerwiegender sind Kieferveränderungen, die vom dicken Daumen als
Nuckelalternative kommen: In diesem Fall wird der Oberkiefer nach vorn gedrückt
und gleichzeitig auch noch der Unterkiefer nach hinten. Eine spätere kieferorthopädische
Korrektur ist meist unvermeidlich. Die Initiative Kiefergesundheit weist darauf
hin, dass die Auswahl an Schnullern heute sehr groß ist und Eltern sich
nicht durch lustige Farben oder Spielereien verführen lassen sollten. Wichtiger
sei, die Auswahl nach den gleichen Kriterien zu treffen, die auch die Erfinder
vor 60 Jahren zu ihrer Entwicklung angetrieben hat: „kiefergerecht“ soll
er sein, und den Kiefer natürlich formen. Eltern, die unsicher sind, wie
ein guter Schnuller aussieht, können sich dies von jedem Kieferorthopäden
zeigen lassen.
Quelle: KFO Zeitung März 2009
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