07. März 2009
Karies bei Kleinkindern und Jugendlichen
Experteninterview mit Prof. Dr. Norbert Krämer, Universität Dresden
zum Thema Karies bei Kleinkindern und Jugendlichen
Mehr Karies bei den Zwei- bis Dreijährigen
Die letzte Jahrestagung für
Kinderzahnheilkunde in Dresden hat die aktuellen Daten zum Thema Karies bei Kleinkindern
präsentiert. Aktuelle Untersuchungen des öffentlichen Gesundheitsdiens-tes
sind erschreckend: Karies nimmt bei Kindern bereits ab dem zweiten Lebensjahr
massiv zu. Lediglich 10 Prozent der Milchzahnkaries der Zweijährigen und
nur rund 20 Prozent der Milch-zahnkaries der Dreijährigen wird von einem
Zahnarzt behandelt wird - also jedes fünfte bis zehnte Kind. Zu den Ursachen
der Karies und warum sie behandelt werden sollte, haben wir Prof. Dr. Norbert
Krämer befragt. Er ist Leiter der Abteilung Kinderzahnheilkunde am Universitätsklinikum
der TU Dresden und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Sektion Zahngesundheit
im Deutschen Grünen Kreuz.
Warum haben bereits so viele Zweijährige kariöse Zähne?
Gerade bei den Zwei- bis Dreijährigen nimmt die
Karies massiv zu. Leider geben zu viele Eltern ihren Kleinen ein Fläschchen
mit Saft oder Milch mit ins Bett, damit sie schneller und ruhiger einschlafen.
Dadurch vermehren sich die Kariesbakterien enorm – selbst wenn der Saft
mit Wasser verdünnt ist, steigt das Kariesrisiko extrem an. Ein weiterer
Kariesverursacher ist zurzeit der Eis-tee. Sein PH-Wert ist für die Milchzähne
viel zu sauer und der handelsübliche Tee ist zudem stark gesüßt.
Wirkt sich die Karieserkrankung negativ auf das Lebensgefühl der Kleinen
aus?
Ja – die Kinder fühlen sich massiv beeinträchtigt. Denn
die so genannte Nuckelkaries beginnt immer an den sichtbaren Frontzähnen
und zwar häufig auf der schwer einsehbaren Innenseite der Zähne. Wird
sie nicht behandelt, werden die Zähne mit der Zeit dunkelbraun und brechen
sogar ab. Oftmals sind diese Kinder den Hänseleien von Spielkameraden ausgesetzt.
Werden die Zähne zu spät behandelt, bleibt nur die Entfernung der Wurzelreste.
Der Zahnarzt kann ihnen dann ab dem vierten Lebensjahr mit einer kindgerechten
Zahnprothesen helfen. Schmerzhaft für die Kleinen kann auch eine nicht behandelte
Karies an den Backenzähnen werden. Denn im Laufe der Zeit können sich
Fisteln, eitrige Entzündungen und Abszesse bilden, die unter Umständen
auch die darunterliegenden bleibenden Zahnkeime in ihrer Entwicklung beein-trächtigen.
Warum sollte Karies an den Milchzähnen unbedingt behandelt werden?
Dafür
gibt es einige Gründe: Kariöse Zähne haben beispielsweise eine
raue Oberfläche, die sich mit der Zahnbürste nicht richtig reinigen
lässt. Hat der Zahn eine glatte Füllung, ist das Reinigen kein Problem.
Und: Wenn im Grundschulalter die zweiten Zähne durchbrechen, dann werden über
einige Jahre hinweg die alten Milchzähne neben der so genannten zweiten
Dentition im Mund sein. Wenn die Milchzähne mit einer offenen nicht behandelten
Karies befallen sind, dann gehen die Bakterien sehr leicht auf die gesunden neuen
Zähne über. Bei den neuen Zähnen sind insbesondere die so genannten
Sechsjahresbackenzähne schnell betroffen. Das liegt an den teilweise recht
tiefen Fissuren, in denen sich die Bakterien richtig einnisten können und
an den schwer zu reinigen Zahnzwischenräumen. Der Zahnarzt kann diese Vertiefungen
versiegeln, so dass sie gegen die Kariesbakterien geschützt sind.
Wann sollten die Kinder zum ersten Mal zum Zahnarzt?
Die Vorgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen
sehen die erste zahnärztliche Frühunter-suchung für den 30. Lebensmonat
vor. Das ist viel zu spät. Viele Zwei- bis Dreijährige haben zu diesem
Zeitpunkt bereits die ersten kariösen Zähne. Wir raten den Eltern zum
Zahnarzt zu gehen, wenn der erste Zahn durchgebrochen ist. Dann geht es vor allem
darum, die Hauptursache für die frühkindliche Karies – die „Nuckelflasche“ -
ab dem ersten Geburtstag zu eliminieren. Die American Academy of Pediatric Dentistry
(AAPD) hat deutliche Empfehlungen für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr ausgesprochen:
nicht mit der Flasche einschlafen, ab dem ersten Geburtstag aus der Tasse trinken,
mit dem ersten Zahn die Mundhygiene kontrollieren, kein Zucker - damit ist auch
Fruchtzucker, Milchzucker oder Traubenzucker gemeint - aus der Flasche oder Schnabeltasse
und den ersten Zahnarztbesuch zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat
vorsehen.
Quelle: Sektion
Zahngesundheit im Deutschen Grünen Kreuz e. V.
www.rundum-zahngesund.de
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