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Während die Zahnspange bei Kindern und Jugendlichen schon lange zum
alltäglichen Bild gehört, ist das Tragen kieferorthopädischer
Geräte im Erwachsenenalter noch immer relativ selten.
Ein Grund dafür
war in der Vergangenheit sicherlich die fehlende Information über die
Möglichkeiten einer Erwachsenenbehandlung. Mittlerweile gibt es jedoch
auch in der Kieferorthopädie immer mehr erwachsene Patienten, so dass
heute bereits knapp 20 % aller Patienten in Deutschland älter als 18
Jahre alt sind.
Die Indikation für eine Erwachsenenbehandlung ist identisch
mit der der jugendlichen Patienten. Ziel ist das Erreichen und Erhalten
eines gesunden Kauorgans, mit dem Kauen, Schlucken, Sprechen und Zahnreinigung
problemlos möglich ist.
Aber gerade bei den Erwachsenen spielt die Ästhetik
eine sehr große Rolle. Das Erscheinungsbild eines Menschen hat oft
ausschlaggebende Bedeutung, das Lachen mit schönen geraden Zähnen
steht für Erfolg, Schönheit und Jugend.
Ein weiterer Aspekt ist
die Behandlung von Kiefergelenkbeschwerden. Diese reichen
von verspannter Kaumuskulatur bis hin zu extremen Schmerzen beim Kauen oder Öffnen
des Mundes. Oft sind stressbedingte Faktoren, wie mögliches Knirschen
oder Pressen am morgendlichen Schmerz der Gesichtsmuskulatur oder des Kiefergelenks
schuld. Das wichtigste Ziel ist es, den Grund für die Probleme herauszufinden.
Nur selten hängen die Kiefergelenkprobleme mit der Zahnstellung zusammen.
Man geht heute davon aus, dass stressbedingte Parafunktionen,
das heißt
an der normalen Funktion vorbei = Pressen oder Knirschen, die häufigste
Ursache für Verspannungen der Gesichts- und Kaumuskulatur oder Kiefergelenkprobleme
sind.
Nicht alle Patienten benötigen eine kieferorthopädische
Behandlung. Vielen kann bereits mit einer individuell hergestellten Aufbiss-Schiene
(z. B. Jig-Schiene) geholfen werden. Auch wiederkehrende orthopädische
Probleme können im Zusammenhang mit einer Parafunktion und oder einem
falschen Biss gesehen werden.
Auch vor prothetischer / implantologischer
Versorgung eines Patienten kann eine kieferorthopädische Behandlung
helfen. Zähne können verschoben und aufgerichtet werden, so dass
eine ungünstige prothetische Ausgangssituation entscheidend verbessert
werden kann. Zahnfehlstellungen können also auch im Erwachsenenalter
problemlos korrigiert werden – ob funktionelle oder ästhetische
Probleme – ein Beratungstermin beim Kieferorthopäden ist in jedem
Fall sinnvoll.
Bis zu welchem Alter kann ich mich kieferorthopädisch behandeln
lassen?
Es gibt heute keine Altersgrenze mehr, trotzdem gibt es Unterschiede
zur Kieferorthopädie bei Kindern und Jugendlichen, bei denen das Wachstum
noch nicht abgeschlossen ist.
Im hohen Alter kommen auch noch andere zahnmedizinische
Probleme, wie z. B. Paradontalerkrankungen oder fehlende
Zähne, dazu.
Bei der Erwachsenenbehandlung werden meist festsitzende Behandlungsgeräte,
wie die Multibracket-Apparatur, verwendet.
Ästhetische Korrekturen
der Zahnstellung werden heutzutage mit durchsichtigen, fast unsichtbaren
Schienen durchgeführt, die rund um die Uhr getragen werden sollen.
Wie lange dauert eine kieferorthopädische Erwachsenenbehandlung?
Diese
Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Bei Erwachsenen
muss man jedoch in der Regel mit längeren Behandlungszeiten rechnen
als bei Jugendlichen mit gleicher Fehlstellung.
Dies hat folgende Gründe:
- fehlendes Wachstum
Bei Erwachsenen ist kein Wachstum mehr vorhanden, das
evtl. genutzt werden könnte.
- geringere Reaktionsbereitschaft des Parodonts Aus diesem
Grunde bewegen sich die Zähne erheblich langsamer, was zu einer längeren
Behandlungszeit führt.
Als Erwachsener sollte man mit einer aktiven
Behandlungszeit von 6 Monaten bis zu 3 Jahren rechnen,
abhängig von
der Art und Ausprägung der Fehlstellung.
Danach muss noch eine Stabilisierung
des Behandlungsergebnisses erfolgen. Die Retentionszeit sollte in Einzelfällen
eine lebenslange Retention sein, um ein Rezidiv (Zähne wollen in ihre
alte Fehlstellung zurückkehren) zu vermeiden. |